Hörschäden 
Tinnitus - Ein Problem das gelöst werden kann. 

Drei Millionen Menschen in Deutschland haben ständige Ohrgeräusche - penetrant, manchmal nervtötend und immer unerwünscht. Jeder zweite Betroffene leidet unter den Geräuschen, die man auch Tinnitus nennt, so sehr, dass er therapeutische Hilfe braucht. Rund 500.000 sind wegen ihrer Ohrgeräusche berufsunfähig. Jährlich erkranken rund 340.000 Menschen neu an chronischem Tinnitus. 44 Prozent der Betroffenen klagen über Hyperakusis: sie leiden unter großen Lautstärken. (Ergebnis einer Befragung der Deutschen Tinnitus-Liga)
Während man früher davon ausging, dass man den quälenden Ohrgeräuschen für den Rest des Lebens ausgeliefert ist, eröffnen sich heute andere Perspektiven. Ein Wundermittel gibt es nicht - doch viele erfolgversprechende Wege: Man kann das Problem Tinnitus lösen.

Ohrgeräusche - was tun?
Wenn Ohrgeräusche auftreten und auch am nächsten Tag noch zu hören sind, sollte man umgehend einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde aufsuchen. Denn der akute Tinnitus kann oft erfolgreich behandelt werden. Neben ausführlichen Untersuchungen und Hörtests ist die Beratung durch den HNO-Arzt sehr wichtig. Als Therapie kommen unter anderem Stressabbau, Entspannungsübungen, Infusionstherapie oder hyperbare Sauerstofftherapie in Frage. Wenn der Tinnitus nicht allein, sondern mit plötzlichen Hörproblemen oder Schwindel auftritt, braucht man keine Nacht abzuwarten, sondern geht innerhalb der ersten 24 Stunden zum HNO-Arzt.

Mögliche Ursachen
Aber auch wenn die Geräusche bleiben und chronisch werden, kann man etwas tun. Tinnitus ist keine Krankheit, sondern ein Warnsignal - vergleichbar mit dem Schmerz. Deshalb versucht man zunächst herauszufinden, warum der Tinnitus entstanden ist. Mögliche Ursachen sind Hörminderungen, Lärm, Hörsturz, Drehschwindel, Probleme an den Zähnen, Kiefern oder der Halswirbelsäule. Das sollte man abklären. Oft aber lässt sich kein organisches Problem finden. Jeder zweite Betroffene glaubt, dass seine Ohrgeräusche durch Lärm oder Stress ausgelöst wurden. Die Konsequenz ist klar: Hohe Lautstärken meiden - im Zweifelsfall Gehörschutz nutzen - und auch im übertragenen Sinn Ruhe in den Alltag bringen. Wer unter Tinnitus leidet, sollte Lärm meiden. Doch auch absolute Stille ist nicht empfehlenswert, da die Ohrgeräusche dann ohne Konkurrenz auftreten und noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Unwichtige Geräusche ausblenden
Man geht heute davon aus, dass die meisten Ohrgeräusche nicht von einer Erkrankung ausgelöst werden. Offenbar ist es so, dass Nervenzellen der Hörbahnen im Gehirn Impulse aussenden und so Töne oder Geräusche entstehen. Unser Gehirn ist in der Lage, solche unwichtigen Geräusche auszublenden. Das macht es ständig, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Wenn dieses Rausfiltern funktioniert, ist Tinnitus kein Problem. Wenn wir uns aber auf die Geräusche konzentrieren und fixieren, weil sie uns beunruhigen, geschieht das Gegenteil: Wie die tickende Uhr oder der tropfende Wasserhahn, die uns zunächst am Einschlafen hindern und dann schier in den Wahnsinn treiben können, so können uns auch Ohrgeräusche quälen.

Ohrgeräusche und Hörprobleme
Die meisten Tinnitus-Betroffenen - 70 bis 80 Prozent - haben zugleich auch eine Hörminderung. Hier können oft beide Probleme auf einmal gelöst werden, wenn Hörsysteme genutzt werden.

Die wichtige Empfehlung der HNO-Ärzte lautet daher: Noch bevor eine Tinnitus-Therapie beginnt, sollten zunächst vom Hörakustiker Hörsysteme angepasst werden. Denn in vielen Fällen können Ohrgeräusche dann gut tritt der Tinnitus dadurch in den Hintergrund.
Oft ist den Betroffenen gar nicht bewusst, dass sie nicht mehr optimal hören. Ein Hörtest bringt hier Klarheit.

Hörsysteme gegen Tinnitus
In vielen Fällen treten die Ohrgeräusche in den Hintergrund, sobald das Hörproblem gelöst ist. Denn wenn die Außengeräusche wieder vollständig wahrgenommen werden, nimmt der Tinnitus nicht mehr so viel Raum ein. Er wird von der Klangvielfalt des Alltags verdeckt. Daher sollten bei Tinnitus möglichst früh Hörsysteme angepasst werden, auch wenn die Hörminderung nur gering ist oder nur auf einem Ohr besteht. Davon profitiert man in jeder Hinsicht: Man hört und versteht wieder besser und zugleich können die lästigen Ohrgeräusche besser überhört werden.

Trotzdem noch Tinnitus
Wenn man mit Hörsystemen versorgt ist oder die anderen vermeintlichen Auslöser des Tinnitus behandelt wurden, er aber immer noch da ist, sollte man lernen, ihn zu überhören. Wer aufhört, den Tinnitus als Bedrohung zu empfinden, hat die Chance, ihn in den Hintergrund zu drängen und irgendwann kaum oder gar nicht mehr wahrzunehmen. Hilfreich können Entspannungsübungen sein, eine Therapie, wie zum Beispiel die Tinnitus-Retraining-Therapie, Gespräche in einer Selbsthilfegruppe, Sport und natürlich eine positive Lebenseinstellung.

Die Tinnitus-Retraining-Therapie
Retraining bedeutet soviel wie zurücktrainieren oder umlernen. Dabei wird unter anderem an der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung gearbeitet mit dem Ziel, die Ohrgeräusche nicht mehr bis zum Bewusstsein vordringen zu lassen. Da das Pfeifen, Brummen oder Klingeln bedeutungslos ist, darf und soll es überhört werden. Bei der Retraining-Therapie, die schon vielen geholfen hat, arbeiten HNO-Ärzte, Psychologen und Hörakustiker eng zusammen, um die Betroffenen zu unterstützen.

Vier Säulen
Die Tinnitus-Retraining-Therapie besteht aus vier Säulen:
1. Beratung und Aufklärung
2. Abschwächung tinnitusbedingter Stressreaktionen
3. Behandlung seelischer Störungen
4. Geräteversorgung

Die Beratung und Aufklärung sind die Basis der Therapie. Denn um den Tinnitus ignorieren zu können, muss zunächst bewusst werden, dass er bedeutungslos und ungefährlich ist. Spezielle Entspannungstechniken helfen, den Stress und die Anspannung abzubauen, die durch die belästigenden Ohrgeräusche entstehen. Bei Ängsten, Depressionen oder psycho-sozialen Schwierigkeiten, sollte psychologische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden. Ein kognitives Training hilft, die negativen Gefühle, die automatisch mit dem Tinnitus verbunden werden (z. B.: "Der unerträgliche Ton wird nie mehr aufhören und mein Leben ruinieren."), bewusst zu machen. Im nächsten Schritt wird eine hilfreichere Einstellung entwickelt (z. B.: "Der Tinnitus ist noch da, aber ich bin auf dem besten Weg, ihn zu überhören."). Gerade beim Tinnitus ist die innere Einstellung der Schlüssel zum Erfolg.

Technische Hilfen
Die Arbeit an der inneren Einstellung kann durch technische Hilfen wirkungsvoll unterstützt werden. Wer unter chronischem Tinnitus leidet und eine Behandlung beginnt, ist ja naturgemäß zunächst nicht in der Lage, die belastenden Geräusche zu ignorieren. Rauschgeneratoren oder Hörsysteme können diesen erwünschen Zustand herbei führen. Sie verdecken den alarmierenden Tinnitus, so dass er nicht mehr die gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Auf dieser Basis lassen sich die anderen Therapieschritte entspannter bewältigen. Deshalb ist die Geräte-Versorgung ein wesentlicher Bestandteil der Therapie.

Tinnitus-Geräte
Vielen gelingt es, mit Hörsystemen den Tinnitus zu überhören. Wenn das nicht ausreicht, kann man Hörsysteme mit Tinnitus-Geräten oder Rausch-Modulen kombinieren. Es gibt aber auch eigens dafür hergestellte Kombinationsgeräte, sogenannte Tinnitus-Instruments. Schließlich sind auch Tinnitus-Geräte auf dem Markt, die man auf Hinter-dem-Ohr-Geräte aufstecken kann.

Wenn man zwar Tinnitus, aber definitiv keine Hörminderung hat, kann man ein Tinnitus-Gerät oder einen Rauschgenerator (Noiser) nutzen. Diese erzeugen ein angenehmes Rauschen, das leiser sein soll als die Ohrgeräusche. Der Tinnitus soll aus dem Rauschen wie die kleine Spitze eines Berges aus den Wolken heraus schauen. So kann das Gehirn an das Geräusch gewöhnt werden und den Tinnitus als harmlos und unwichtig erkennen. Mit der Zeit kommt es dazu, dass die Ohrgeräusche nicht mehr oder nur noch in Intervallen wahrgenommen werden. Sie werden aus der Wahrnehmung ausgeblendet, wie beispielsweise das Brummen eines Kühlschrankes, das wir nur bei absoluter Aufmerksamkeit hören.

Wenn der Tinnitus beide Ohren betrifft, dann sollte auch jedes Ohr mit einem Tinnitus-Gerät versorgt werden. Geeignet sind Hinter-dem-Ohr- und Ohrmuschel-Geräte in Verbindung mit einer offenen Versorgung. Das bedeutet, dass der Gehörgang durch das Ohrpassstück oder den Schlauch nicht verschlossen wird, sondern offen bleibt.

Hörakustiker
Der Spezialist für die Anpassung von Hörsystemen und Tinnitus-Geräten ist der Hörakustiker. Er sorgt mit der individuellen Abdruckname für den optimalen und angenehmen Sitz der Geräte. Nach einer ausführlichen Beratung programmiert er die Geräte so, dass sie das störende Geräusch - sei es nun ein dumpfes Brummen oder ein schrilles Zirpen - mit einem so genannten weißen oder rosa Rauschen umgeben. Unterhaltungen sollten damit problemlos möglich sein. Es empfiehlt sich, die Tinnitus-Geräte zunächst vor allem abends zu tragen, vielleicht auch beim Einschlafen. Die Tragedauer kann langsam gesteigert werden.

Durch die Verwendung der Tinnitus-Geräte erscheinen die Ohrgeräusche nach und nach leiser und dezenter. Schließlich sogar dann, wenn die Geräte mal nicht getragen werden. Dieser Effekt kann nach einigen Monaten auftreten, es kann aber auch ein Jahr dauern. Auch Tinnitus-Betroffene, die besonders geräuschempfindlich sind (unter Hyperakusis leiden), können und sollten Tinnitus-Geräte nutzen: Bei Hyperakusis sind die Erfolge sogar besonders groß.

Für viele Menschen sind diese technischen Hilfen eine große Entlastung. Die Behandlung des Tinnitus sollte sich allerdings nicht allein darauf beschränken.

 (Quelle: Forum Besser Hören) 


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